D´Vereinsgschicht

„Ein Zeitraum von mehreren Generationen oder der äußere Rahmen von Jubiläumsveranstaltungen sagen nichts über den Wert eines Vereins aus. Dieser kann sich letztlich nur am ideellen Beitrag messen, den ein Verein für die Gemeinschaft seiner Wirkungskreise erbracht hat und der Beitrag des Burschenvereins Raigering im kulturellen Bereich ist ein erfreuliches und wertvolles Stück Raigeringer Geschichte“. Diese Grußworte schrieb der ehemalige Raigeringer Bürgermeister Sepp Köferl anläßlich des 65jährigen Gründungsfestes in der Festschrift und unterstrich damit den Stellenwert des Burschenvereins 07 Raigering für die hiesige Region. Dies hat auch heute noch Gültigkeit.

Dieses Stück „Raigeringer Geschichte“, wie es Bürgermeister Sepp Köferl treffend nannte, begann am 21. September 1907 im ehemaligen Gasthaus Max Sterk, der jetzigen Metzgerei Alfred Schuch. An diesem Tag versammelten sich 16 junge Männer aus Raigering und gründeten den „Burschenverein Raigering“. Sinn und Zweck des Vereins war und ist die Pflege geselliger Unterhaltung, worunter vor allem die Pflege alten Brauchtums und die Veranstaltung von Ausflügen zu verstehen ist. Die Gründungsmitglieder und die erste Vorstandschaft waren: Johann Pirzer (1. Vorstand), Wolfgang Pfisterer (Schriftführer), Georg Hufnagel (Kassier), Franz Baumer (Ausschuß), Leonhard Hiltl (Ausschuß), Johann Stich (Ausschuß), Johann Auer, Karl Baumer, Johann Birner, Sebastian Kirner, Leonhard Pirzer, Johann Rohrwild, Johann Schneeberger, Georg Schwab, Karl Söllner und Georg Weigl. Leider sind die Aufzeichnungen der ersten Jahre im Verlauf des ersten Weltkrieges verloren gegangen, mit Ausnahme des gut erhalten gebliebenen Gründungsprotokolls, daß dem Verein vom ersten gewählten Schriftführer, Wolfgang Pfisterer, 1972 anläßlich des 65jährigen Gründungsjubiläums übergeben wurde und nun im Stadtarchiv aufbewahrt wird.

Mit einer Fahne könne sich der Verein am besten repräsentieren, dachte sich der BV 07 und sein Vorstand Josef Scherm. Daher beschlossen die Mitglieder 1922 die Anschaffung einer eigenen Fahne. Die Fahnenweihe am 14. Mai 1922 war zweifelsohne der erste Höhepunkt in der noch jungen Vereinsgeschichte. Die Burschen, angeführt von Fähnrich Georg Wiesmann und den beiden Festdamen Elisabeth Graßler und Anna Richthammer, mußten aber zunächst eine größere beschwerliche Wegstrecke zurücklegen, bevor die Fahne geweiht werden konnte. Da es in Raigering zu dieser Zeit noch keine Kirche gab, wurde nämlich die Fahne um 11 Uhr vormittags in der Wallfahrtskirche auf dem Mariahilfberg geweiht. Am Nachmittag gab es ein Konzert in der Gaststätte Peter Sterk, so stand es damals in der Amberger Volkszeitung.

Durch den 2. Weltkrieg kam das Vereinsleben vollständig zum erliegen, weil die jungen Burschen zur Front eingezogen wurden. Die glücklich Heimgekehrten ließen schon bald nach Kriegsende, zuerst noch ohne offizielle Genehmigung, die alten Bräuche der Burschen wieder aufleben und hielten Veranstaltungen ab. Die erste „inoffizielle“ Vorstandschaft war besetzt mit Hans Bauer, Josef Bauer, Leonhard Bauer, Josef Donhauser, Toni Gerster, Christoph Kölbl, Richard Träxler und Richard Wiesgickl.

Im Januar 1948 wurden dann die ersten offiziellen Nachkriegsversammlungen abgehalten und die Lizensierung des Vereins eingeleitet. Die Burschen konnten wieder, wie vor dem Krieg, Theater spielen, es wurden Ausflüge und Fahrten organisiert und natürlich feierte der Verein auch wieder alle Jahre Kirwa. Die Lizensierung bedeutete nicht die Eintragung ins Vereinsregister, denn der Burschenverein 07 Raigering ist jetzt seit 90 Jahren kein eingetragener Verein und bisher immer gut mit diesem Status gefahren.

Für seine Verdienste um die Wiedergründung wurde 1951 der Vereinswirt Josef Sterk sen. zum Ehrenmitglied ernannt.

In den nächsten Jahren blühte der Verein auf und so konnte am 24. und 25. Juni 1957 unter der Schirmherrschaft des Raigeringer Bürgermeisters Johann Koch das 50jährige Gründungsfest abgehalten werden. In einer Feierstunde ernannte der 1. Vorstand Albert Birner die noch lebenden Gründungsmitglieder Johann Pirzer, Wolfgang Pfisterer, Georg Hufnagel, Leonhard Hiltl, Johann Birner, Johann Schneeberger und Karl Söllner sowie die verdienten Mitglieder Johann Lösch, Georg Birner, Xaver Baumer, Michael Kölbl, Josef Scherm, Egid Pirzer und den Schirmherrn Johann Koch zu Ehrenmitglieder. Beim Festzug zogen unter den Klängen des Spielmannzuges Hirschau und der Knappschaftskapelle neben den örtlichen auch 15 auswärtige Vereine durchs festlich geschmückte Raigering. Angeführt wurde der Zug von den drei Festdamen Anneliese Biehler, Ottilie Lottner und Hildegard Rohrwild. Als besondere Überraschung riet Hans Hufnagel hoch zu Roß als „Pandur“ in voller Kriegsausrüstung mit. Während dieses Festes knüpfte der BV 07 erste Kontakte zum jetzigen Patenverein, dem Burschenverein „Morgenrot“ Münchshofen, und seit der Fahnenweihe in Münchshofen im Jahre 1959 riß dieser Kontakt auch nicht mehr ab.

50 Jahre lang konnten nur “echte” Raigeringer Burschen Mitglied im Verein werden. 1957 wagte dann die Vorstandschaft einen Vorstoß: Unter gewissen Umständen durften sich nun auch Nicht-Raigeringer um die Mitgliedschaft bewerben. Wieder aufgehoben wurde diese Regelung erst 1974.

Am 6. Januar 1960 wurde erstmals die Generalversammlung am Dreikönigstag abgehalten. Mittlerweile ist dieser Termin fest für die Generalversammlung des BV 07 reserviert.

Mehr Mitbestimmungsrechte bekamen die Mitglieder 1964. Bis zu diesem Jahr wurde nämlich der Vereinsausschuß alljährlich vom Vorstand berufen. Erstmals durften 1964 die Mitglieder selbst in der Generalversammlung den Ausschuß wählen. Im selben Jahr wurde die Kirwa zum erstenmal im Juli gefeiert, da der Verein mit dem Wetter im August meist Schwierigkeiten hatte.

Eine schwarze Stunde erlebte der Burschenverein im Jahr 1966. Bei einem tragischen Verkehrsunfall am Langangerweg verunglückten im Juli Unterkassier Rudolf Baumer und Mitglied Reinhold Riß tödlich. Der Burschenverein trauerte und überlegte sogar die Kirwa kurzfristig ausfallen zu lassen. Als Andenken an die beiden Kameraden stellte der BV 07 ein Jahr später an der Unfallstelle ein Materl auf. Dieses wurde nach einem Fackelzug zur Unfallstelle am 15. Juli 1967 geweiht.

Die wichtigste Einnahmequelle für den Verein ist das alljährlich stattfindende Waldfest im “Kellerhölz”, daß der Verein seit 1967 organisiert. Die Attraktion des Festes ist die in der Felsgrotte „Fuchsbau“ untergebrachte Bar.

1972 fanden in München die Olympischen Spiele statt. Sie werden sich fragen, was haben die Olympischen Spiel mit der Geschichte des Burschenvereins 07 Raigering zu tun? Das Organisationskomitee überlegte seinerzeit, den Athleten aus aller Welt die typischen Bräuche Bayerns auf einem Heimatabend näherzubringen. Für die Oberpfalz bekam der damalige Bezirksheimatpfleger Dr. Eichenseer den Auftrag ein typisches Brauchtum vorzustellen. Spontan fielen ihm die Raigeringer ein und daher drehte er 1970 einen Film über die “Racheringe Kirwa”. Aus nicht zu recherchierenden Gründen kam die Aufführung des Films dann doch nicht zustande. Statt den Film im Archiv verstauben zu lassen, wurde er bei einem anderen Großereignis in unserer Region uraufgeführt, nämlich 1971 bei der Eröffnung des Donaueinkaufszentrums in Regensburg. Eine weitere öffentliche Aufführung fand 1974 im Amberger Josefshaus statt.

1971 senkte der Verein das Eintrittsalter von 17 auf 16 Jahren.

Das 65-jährige Gründungsfest beging der Verein vom 1. bis 4. Juni 1972. Die Patenschaft wurde dem Burschenverein „Morgenrot“ Münchshofen angetragen, die dieser gerne übernahm. Bei diesem Jubiläum mit einem nächtlichen Fackelzug, vorbei an über 1000 Zuschauer, durch den festlich geschmückten Ort als konnte unter der Schirmherrschaft des damaligen Amberger Oberbürgermeisters Franz Prechtl dreizehn Vereine, darunter sieben Burschenvereine, begrüßt werden. Auf dem Komersabend ernannte Vorstand Gerhard Hollweck die langjährigen Vorstandmitglieder Albert Birner, Albert Kölbl, Hans Mulzer, Hans Walz und Hans Wiesmann zu Ehrenmitglieder und Hans Donhauser, Georg Donhauser, Ludwig Dietl und Hubert Walz zu Geehrte Mitglieder.

Im selben Jahr wurde Raigering im Zuge der Gebietsreform der Stadt Amberg als Stadtteil angegliedert und obwohl Raigering nun keine eigenständige Gemeinde mehr war, lebt sie fort im Burschenverein 07 Raigering und allen örtlichen Vereinen, die sie weiterhin nach außen repräsentieren. Für den Burschenverein 07 Raigering hatte die Eingemeindung sogar einen gewissen Vorteil, da nun jedes Jahr die Stadt Amberg den Kirwabaum stiftet.

Einheitlich gekleidet waren die Burschen bei offiziellen Anlässen schon immer. Traditionell ziehen sich die Mitglieder eine schwarze Hose und ein weißes Hemd an. Doch oft wurde diskuttiert, ob auch Krawatten getragen werden sollten und vorallem welche Farbe sollte der Binder haben. Seit 1973 ist diese Diskussion beendet. Damals wurde der einheitliche Vereinsbinder mit den „Burschenhänden“ angeschafft.

1974 bekam der Burschenverein 07 Raigering die Möglichkeit, Brauchtumspflege einem großen Publikum vorzuführen. Im Rahmen des Nordgautages in Amberg wurde während des Altstadtfestes auf dem Marktplatz ein „Maibaum“ aufgestellt und natürlich tanzten einige Kirwapaare „umi“.

Nur ein Jahr später, nämlich 1975, machte dann der Bayerische Rundfunk den Burschenverein 07 Raigering weit über die Grenzen des Landkreises Amberg-Sulzbach bekannt, als er für die Sendereihe „Unter unserem Himmel“ einen Film über die Raigeringer Kirwa drehte und im Oktober des selben Jahres ausstrahlte. Regelmäßig wird dieser Beitrag noch heute wiederholt. Die Beliebtheit der Raigering Kirwa erlebte 1975 dann auch ihren absoluten Höhepunkt. In der Amberger Tagespresse wurde von mehr als 10.000 Besuchern am Kirwasonntag und mehr als 5.000 Zuschauer am Kirwamontag berichtet. Und dies nichtnur wegen der Anwesendheit des Bayerischen Fernsehens.

Vor dem 70jährigen Jubiläum beschloß der Verein eine eigene Ehrenordnung. Darin wurde festgelegt, welche Voraussetzungen ein Mitglied erfüllen muß, um die Ehrenmitgliedschaft (Goldene Vereinsnadel) zu bekommen oder Geehrtes Mitglied (Silberne Vereinsnadel) wird.

Das 70jährige Jubiläum beging der BV 07 vom 10. bis 11. Juni 1977 in kleinerem Rahmen mit dem Patenverein aus Münchshofen und den örtlichen Vereinen. Es fand am Festfreitag ein Kameradschaftsabend mit dem Vereinsmusikanten „Heideröslein“ (Georg Birner) statt. Am Samstag folgte ein Komersabend mit Ehrungen, der von den Aschacher Moidln und den Gailoher Sängern gestaltet wurde. Vorstand Hans Meier ernannte an diesem Tag Gerhard Hollweck und Hans Pinzenöhler zu Ehrenmitglieder und Iganz Binner, Werner Mois und Reimer Mirek zu Geehrte Mitglieder. Den Abschluß bildetet am Sonntag ein Tanzabend mit der Tanzkapelle „Gecks“.

Nicht nur die Brauchtumspflege und die gesellige Unterhaltung der Mitglieder stand in den 70er und 80er Jahr im Mittelpunkt des Vereinsleben. Auch zeigte der BV 07 soziales Engagement. So wurde 1975 u.a. der Bau des Kinderspielplatzes mit Arbeitskräften und der Spende einer Hängeschaukel unterstützt und für den Kindergartenneubau wurde 1980 der Reinerlös des Katreintanzes gespendet. Ebenfalls regelmäßig bedacht wurde die Jugendabteilung des SV Raigering mit Geld oder Pokalspenden.

Das 75jährige Gründungsfest wurde vom 16. bis 18. Juli 1982 im entsprechenden Rahmen gefeiert. Der Höhepunkt war zweifelsohne die Weihe der neuen Fahne durch den damaligen Bischöflich Geistlichen Rat Andreas Meckl. Auf der Fahne wurden die Stickereien der Alten in veränderter Form übernommen und zusätzlich auf der Rückseite ein Pandurenreiter aufgestickt. Das Fest unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Franz Prechtl startete am Freitag mit einem Komersabend. Auf dem Programm standen Auftritte der Kapelle Zitzmann, der Hirschbachtaler Boum, der Massenrichter Volkstanzgruppe, der Sorghofer Moila und der Raigeringer Sänger. Vorstand Ludwig Donhauser konnte an diesem Abend Ludwig Bauer, Hans Wiesmann, Anton Hösl und den Vereinswirt Josef Sterk zu Ehrenmitglieder und Franz Donhauser und Norbert Riß zu Geehrte Mitglieder ernennen. Am Samstag spielte beim Heimatabend die Kapelle Schwab zünftig auf. Eine weitere Krönung des Festes war der Festzug. Der Festkapelle ”D´Friedrichsbergler” folgten 33 Vereine, darunter 13 Burschenvereine. Ein Augenschein waren die Festdamen Doris Brunner, Johanna Hösl, Annette Wischert, Gudrun Zirpel, Angelika Mois, Waltraud Vogl, Renate Niebler, Gabi Pongratz und Lydia Gleixner.

Anläßlich des 80jährigen Bestehens des Burschenvereins 07 Raigering im Jahre 1987 wurde vom 10. bis 12. Juli im kleinen Rahmen gefeiert. Die Schirmherrschaft übernahm erneut Oberbürgermeister Franz Prechtl. Besondere Gaudi gab´s beim Spiel ohne Grenzen auf dem Festplatz mit den örtlichen Vereinen. Im Rahmen eines Festabend konnte 1. Vorstand Josef Pongratz die verdienten Mitglieder Werner Biehler und Ludwig Donhauser zu Ehrenmitglieder und Roland Erras und Walter Witetschek zu Geehrte Mitglieder ernennen.

Im selben Jahr wurde erneut eine Beitragserhöhung beschlossen. Seitdem beträgt der Mitgliedsbeitrag unveränderte 15 DM im Jahr.

1989 ernannte der 1. Vorstand Thomas Nübler das langjährige Vorstands- und Ausschußmitglied Berthold Walz anläßlich seines 50. Geburtstages zum Ehrenmitglied.

Ebenfalls im kleinen Rahmen beging der Verein das 85jährige vom 10. bis 12. Juli 1992. Erstmals übernahm der neue Amberger Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer die Schirmherrschaft. Neben einem Kameradschaftsabend im Vereinslokal fand auch der obligatorischen Komersabend statt. Vorstand Roland Erras ernannte an diesem Abend Klaus Donhauser, Josef Pongratz und Thomas Nübler zu Ehrenmitglieder und Walter Hiltl, Herbert Hiltl und Wolfgang Birner zu Geehrte Mitglieder. Am Festsonntag machte dann regnerische Witterung den Burschen leider einen dicken Strich durch die Rechnung, dennoch  das ”Spiel ohne Grenze” gut an.

Bereits ein Jahr später stand erneut ein großes Jubiläum an. Der langjährige Patenverein Burschenverein ”Morgenrot” Münchshofen konnte auf 75 Jahre zurückblicken. Selbstverständlich waren die Raigeringer Burschen als Patenverein an allen Festtagen vertreten und hatten auch die lieblichen Festdamen mitdabei.

1996 durchbricht der Verein eine magische Grenze. Der BV 07 hat nunmehr über 100 aktive und passive Mitglieder.

Auf 90 Jahre kann also der Burschenverein 07 Raigering in diesem Jahr zurückblicken. Dieses Jubiläum wird vom 11. bis 13. Juli 1997 mit Pauken und Trompeten gefeiert und wird sicherlich in die Geschichte des Vereins aber auch der Stadt Amberg eingehen. Erstmals veranstaltete nämlich ein Verein ein Schirmherrschaftsbitten auf dem Marktplatz. Mit den Raigeringer Musikanten und einer Gruppe Pandurenreiter zogen zahlreiche Burschen unter dem Beifall von vielen Zuschauern vom Schrannenplatz durch die Fußgängerzone vors Rathaus, wo sie von Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer empfangen wurden. Die Patenschaft wurde erneut dem Burschenverein „Morgenrot“ Münchshofen angetragen und exakt am 89. Geburtstag, dem 21. September 1996, sagten die Münchshofner „Ja“. Die Beliebtheit des Vereins zeigt auch die bisherige Zusage von über 20 Burschenvereinen aus dem gesamten Freistaat Bayern zum Festzug, ein neuer Vereinsrekord!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.